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Schweiz allgemein

Sans-Papiers in der Schweiz: Studie 2015

In der Schweiz leben rund 76 000 Sans-Papiers. Zu diesem Resultat kommt eine neue Studie des Staatssekretariats für Migration (SEM). Ein Grossteil der Sans-Papiers kam ohne gültige Reisedokumente oder als Touristen in die Schweiz. Etwa neun von zehn erwachsenen Sans-Papiers sind erwerbstätig. Personen aus Zentral- und Südamerika stellen die grösste Gruppe von Sans-Papiers.

Den ganzen Bericht finden Sie hier.

Alternativen zur gängigen Praxis in den Bereichen Arbeitsrecht, illegaler Aufenthalt und Durchsetzungshaft

Folgerungen für den Gesetzgeber und die Behörden aus den Arbeiten von R. Kiener/G. Medici, P. Albrecht und J.P. Müller finden Sie hier.

Nothilfe und ihre Spannungsfelder im Alltag von LangzeitbezügerInnen aus Afrika

"Wie eine Wand hinter der man das Leben nicht sieht"

Die kritisch ethnographische Studie von Chantal Zimmermann (eingereicht 2012 an der Universität Basel) zeigt am Beispiel von LangzeitbezügerInnen aus West-, Zentral- und Ostafrika die Spannungsfelder auf, die sich aus dem Konzept der Nothilfe ergeben und sich auf den Alltag der nothilfebeziehenden Personen niederschlagen.

Abgewiesene Asylsuchende mit Nothilfe in der Schweiz

Das Buch "Das hier ist mein ganzes Leben." verleiht abgewiesenen Asylsuchenden, die in der Schweiz von der Nothilfe leben, ein Gesicht und gibt ihnen eine Stimme. Mehr Informationen unter http://www.limmatverlag.ch/Default.htm?/sachbue/nothilfe.htm

EKM-Studie zur Entwicklung 2000-2010

Eine Ende 2010 erschienene Studie der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen (EKM) untersucht, inwiefern sich die irreguläre Migration in der Schweiz und die Situation der Sans-Papiers in den letzten Jahren verändert hat.

Illegal - aber nicht egal!

Eine Analyse zur aktuellen Lebenssituation der Sans-Papiers in der Schweiz. Abschlussarbeit 2008 von Andrea Traber an der Züricher Hochschule für Soziale Arbeit.

Diese Abschlussarbeit befasst sich mit der aktuellen Lebenssituation der Sans-Papiers in der Schweiz. Wer sind diese Sans-Papiers, und was heisst es, am Rande der Gesellschaft in der Irregularität zu leben? Die Arbeit beleuchtet die Thematik aus dem psychosozialen, dem soziologischen und dem ethischen Blickwinkel.

Wie ein Mensch zweiter Kategorie

Qualitative Studie über Sans-Papiers-Frauen in der Deutschschweiz und der Romandie und ihre Strategien im Umgang mit Prekarität, Coppola, Kalbermatter, Möri, Shephard, 2008.

Sans-Papiers in der Schweiz. Unsichtbar - unverzichtbar

Die Publikation behandelt relevante Themen zur Sans-Papiers-Frage in der Schweiz - u.a. die Grund- und Menschenrechte, die soziale Sicherheit, die Gesundheitsressourcen und -versorgung, die Sans-Papiers-Bewegung sowie den Frauenhandel - aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven. Durch die Aufzeichnung einzelner Lebensgeschichten werden die theoretisch behandelten Themenbereiche auf eindrückliche Weise veranschaulicht.

Hrsg. vom Departement Migration des Schweizerischen Roten Kreuzes. Seismo Verlag Zürich, 2006.

 

Sans-Papiers in der Schweiz, Stand 2005

Arbeitsmarkt, nicht Asylpolitik ist entscheidend. Schlussbericht im Auftrag des Bundesamtes für Migration. Claude Longchamp und Monia Aebersold. GFS Bern. April 2005.

Ziel der vom Bundesamt für Migration in Auftrag gegebenen Studie war eine Abschätzung der Anzahl Sans-Papiers in der Schweiz. Die Datenerhebung erfolgte in Kooperation mit 6 Forschungsbüros, welche in den Kantonen Zürich, Baselstadt, Thurgau, Genf, Waadt und Tessin insgesamt 60 ExpertInnen aus verschiedenen Tätigkeitsbereichen befragten. Die sechs Teilstudien wurden in der Folge zusammengefügt und systematisch miteinander verglichen. Schliesslich  wurden die  lokalen Expertenschätzungen auf die nationale Ebene hochgerechnet.

Anmerkung: Die Sans-Papiers-Bewegung verweigerte eine Teilnahme an der Studie. Es wurde befürchtet, dass es dem BFM nur darum ginge, die Wirksamkeit der Repression  periodisch zu überprüfen. Aufgrund des Resultates der Studie (90'000 Sans-Papiers in der Schweiz) sah das BFM denn auch keinerlei Handlungsbedarf...

Politik gegen die Angst

Die Schweizer Sans-Papiers Bewegung von 1997 bis 2004. Rahel Nellen-Stucky. Lizentiatsarbeit am historischen Seminar der Universität Basel.

Die Autorin hat vor allem das Sans-Papiers-Kollektiv Basel während längerer Zeit begleitet und zahlreiche Gespräche mit Sans-Papiers geführt. In ihrer Arbeit geht sie der Frage nach, inwieweit die Sans-Papiers-Bewegung als soziale Bewegung betrachtet werden kann, wie die Protestinszenierung geschieht und wie Sans-Papiers als politische Subjekte in Erscheinung treten. Die bisher einzige Studie, welche einen Teil der Geschichte der schweizerischen Sans-Papiers-Bewegung aufarbeitet.

Das Manifest als Startschuss für die Sans-Papiers-Bewegung im Jahre 2001

Wir, die “sans papiers" von Freiburg und aus der ganzen Schweiz, wollen uns mit diesem Manifest eine Stimme geben. Wir sind Familien, wir sind Alleinstehende oder auch kinderlose Paare. Aus allen Ecken der fünf Kontinente sind wir hierher gekommen um zu arbeiten, um zu leben - frei und weg von Krieg und Elend. Die meisten von uns haben ihre Kinder hier aufwachsen sehen, andere sehen sie nie, weil sie dort geblieben sind. Wie jede Mutter, wie jeder Vater möchten wir ihnen eine glückliche Zukunft bieten.

Nach all den Jahren, die wir in der Schweiz verbracht haben, sind wir integriert. Wir wären fremder in unserem Land als in der Schweiz, wo wir leben, unsere Steuern, unsere Mieten, unsere Sozialabgaben bezahlen, so wie jeder und jede “legale“ EinwohnerIn dieses Landes auch. Wir haben und werden auch in Zukunft zum wirtschaftlichen Wachstum aber auch zur sozialen und kulturellen Entwicklung dieses Landes beitragen.

Die meisten von uns sind legal in die Schweiz eingewandert. Wir haben die Illegalität nicht gewählt. Sie wurde uns von den Gesetzen auferlegt. Wir sind nicht verantwortlich für diese Situation und wehren uns gegen die Heuchelei der Behörden, die uns die Schuld dafür geben wollen. Wir sind keine Kriminelle, sondern Frauen und Männer, die hart arbeiten: in der Landwirtschaft, im Gast- und Baugewerbe oder beim Bau öffentlicher Infrastrukturen. Eine Arbeit, die die meisten von euch nicht übernehmen würden. Wir arbeiten oft unter Bedingungen, die für SchweizerInnen unvorstellbar sind: Miserable Löhne, nicht endende Arbeitstage, keine soziale Sicherheit, baufällige Unterkünfte sind unser tägliches Brot. Gegen diese Formen der Ausbeutung können wir uns nicht wehren. Ohne Papiere haben wir auch keine Rechte zum Wohle der Schweizer Demokratie.

Wir verlangen nichts unmögliches, nur eine Aufenthaltsbewilligung für uns alle. Genau wie ihr haben wir das Recht, würdig und in Sicherheit zu leben. Wir wollen eine Aufenthaltsbewilligung um nicht mehr die Opfer der Willkür von Verwaltungen und Arbeitgebern zu sein.

Wir wollen eine Aufenthaltsbewilligung um frei durch die Strassen zu gehen, ohne Angst jeden Moment verhaftet und ausgewiesen zu werden. Wir wollen eine Aufenthaltsbewilligung um als ganze Menschen angesehen zu werden, wir wollen rechtliche und faktische Gleichstellung.

Aus all diesen Gründen verlangen wir eine kollektive Regularisierung aller "sans papiers" und lehnen eine “Fall für Fall“- Vorgehensweise ab. Wir alle, Opfer von ungerechten Gesetzen, verlangen ein Recht auf Migration. Die grosszügigen Regularisierungsbeschlüsse, die in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Deutschland oder Belgien gefasst wurden, zeigen, dass auch die Schweiz uns nicht weiterhin ignorieren kann um uns besser auszunützen.

Freiburg, Mai 2001

*EinwohnerInnen ohne Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung