
Immer mehr Frauen und wenige Männer arbeiten in privaten Haushalten. Sie putzen, bügeln, kochen, hüten Kinder, betreuen Alte und Kranke. Diese Stellen wurden schon früher traditionell mehrheitlich durch die jeweils zuletzt zugewanderten Frauen besetzt. In städtischen Gebieten arbeiten inzwischen die Mehrzahl der Sans-Papiers in der Hauswirtschaft.
Gemäss Untersuchungen in verschiedensten europäischen Ländern ist dieser Sektor seit Anfang der neunziger Jahre geradezu explosiv gewachsen. Im folgenden einige Beispiele:
► Deutschland: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelte, dass in Deutschland etwa 4 Millionen Haushalte Haushaltshilfen beschäftigen, vorwiegend illegal (Uchatius 2004) Eine Studie für die Stadt Bremen ermittelte, dass 1997 jeder achte Haushalt bezahlte Hilfe im Haushalt in Anspruch nahm (Lutz 2001) Im Sommer 2001 führten Mitarbeiter des Arbeitsamtes im Rhein-Main-Gebiet gezielte Kontrollen in Privathaushalten durch. Dabei wurden 200 illegal beschäftigte ausländische Haushaltsarbeiterinnen und Pflegerinnen entdeckt und ausgewiesen (Heubach 2002). Nach dieser Aktion organisierten sich die betroffenen Haushalte und forderten die Einführung einer „Green Card“ für Hausangestellte.
► Italien / Spanien / Griechenland: Diese Länder erteilen jährlich bis zu zwei Drittel aller Arbeitsgenehmigungen an Migrantinnen, die als Haushaltsarbeiterinnen angeworben werden (Lutz 2001)
► Schweiz / Genf: Gemäss einer Studie der Universität Genf beschäftigt der Hauswirtschaftssektor 6500 Personen, davon 5000 ohne Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. Würde das geltende Arbeitsrecht strikte eingehalten, würde das Arbeitsvolumen ungefähr 9000 Vollzeitstellen entsprechen. Die Gewerkschaft SIT (Syndicat interprofessionnel des travailleurs) schätzt, dass gesamtschweizerisch rund 50'000 Sans-Papiers in privaten Haushalten tätig sind.
► Schweiz / Basel: Die Anlaufstelle für Sans-Papiers befragte im Jahre 2004 knapp über 100 Sans-Papiers über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen (Anlaufstelle für Sans-Papiers / GBI 2004). Dabei stellte sich heraus, dass ausnahmslos alle 60 befragten Frauen in privaten Haushalten arbeiteten, im Durchschnitt bei 5 verschiedenen ArbeitgeberInnen, d.h. total bei 300 Haushalten in Basel und Umgebung.
► Schweiz / Basel: Die Interprofessionelle Gewerkschaft der ArbeiterInnen IGA hat im Jahr 2007 für den Kanton Basel-Stadt eine Sektoranalyse über die externe Haushaltsarbeit in diesem Kanton durchgeführt. Resultat: ca. 100'000 Stunden Haushaltsarbeit wird wöchentlich extern vergeben. Schätzungsweise 40% davon wird von Sans-Papiers verrichtet, dies entspricht ungefähr 1300 Personen. Sektoranalyse IGA
Es ist offensichtlich: Private Haushalte schaffen in grossem Stil neue Arbeitsplätze, die kaum mit einheimischen Arbeitskräften besetzt werden können. Im Kanton Genf repräsentiert der Sektor der privaten Haushalte mittlerweile den fünftgrössten Wirtschaftssektor.
Immer öfter entlasten MigrantInnen als Hausangestellte einheimische erwerbstätige Frauen (und seltener Männer) von ihrer Doppelbelastung. Dass immer mehr Migrantinnen diese gesellschaftlich wichtige Arbeit nur unter der Bedingung von Illegalität, Angst und faktischer Rechtlosigkeit leisten können, ist skandalös und bedeutet für die Betroffenen eine massive Einschränkung ihrer Lebensqualität.